Geschäftiges Treiben am frühen Morgen auf dem Schlossgutplatz. Der Wochenmärit wird eingerichtet. Daneben lädt ein aufgestelltes Fernrohr ein, einen Haussperling beim Anflug zum Nest zu beobachten. Ein Gartenbaumläufer fliegt zur Holzwand des Werkhofes, steigt an dieser hoch und drängt sich durch die Holzlatten. Hat er dort sein Nest? Auf dem Dachfirst des Schopfes turteln zwei Türkentauben und ziehen einen in Bann. Fröhlich zwitschernd verlegt ein fliegender Trupp Stieglitze seinen Standort auf den nächsten Baum. Da fliegt mit tiefen Flügelschlägen ein Weissstorch über die Köpfe hinweg, wohl auf der Suche nach Nahrung für sich und seine Jungen. Die Amsel hat sich auf dem Gibel des Kirchgemeindehauses positioniert und setzt zu ihrem melodiösen Morgengesang an. Ein Rabenkrähe im Baum hebt seinen Kopf aus den Blättern, so dass sein dunkler Schnabel und die flache Stirn erkennbar sind. Die langgezogenen Pfiffe der Stare ziehen die Aufmerksamkeit an – manch einer der Heranfliegenden trägt Futter in die hohen Bäume. Ein Buchfink meldet, dass auch er ein Revier im Park besetzt. Die Mauersegler schiessen über die Dächer hinweg und jagen einander nach. Der Hausrotschwanz besetzt das Kamin des Schlosses und wischt mit seinem kratzenden Gesang die Morgenmüde weg. Die Kohlmeise streitet sich mit den Haussperlingen und zieht sich zurück.
Der beobachtende Trupp Mensch (bestehend aus 24 Beinen) hat noch keinen Schritt vorwärts gemacht. Er stand nur da, schaute, lauschte und staunte. Endlich setzte sich der Menschentrupp in Bewegung, durchstreifte den Schlosspark, bestaunte die grossen Bäume mit Löchern, Höhlen und darauf wachsenden Pflanzen, genoss den Gang an den Hochstammbäumen entlang, und folgte der Hecke, dann am Erlebnisgarten vorbei, bis zur neugepflanzten Hecke der Umfahrungsstrasse, durch das Setzholzgelände zurück in den Gerbegraben, wo ein Girlitz die Köpfe der Beobachtenden verdrehte. Wieder bei Sinnen wurde der Weg über die steile Treppe zur Kirchplattform genommen, wo sich ein Schauspiel der Mauersegler und aufkreisenden Weissstörchen zeigte. Erfreut von so viel Schönem wurde der Weg an prächtigen Blumenwiesen entlang in den alten Friedhof fortgesetzt, wo sich ein Zilpzalp zu erkennen gab. Der Grauschnäpper zeigte sich nicht und behielt sein Geheimnis, ob er es war, der uns mit den kurzen Zischlauten narrte. So gibt es einen guten Grund, beim nächsten Spaziergang im Frühling wieder dabei zu sein!
Cornelia Achermann-Weber
