Noch vor Frühlingsbeginn startete der Grundkurs Botanik NVVM Münsingen im März 2025 mit zwei Theorieabenden. Die beiden Leiterinnen Hannah Inniger und Judith Hinderling sorgten von Anfang an, dass die Theorie nicht Theorie blieb, sondern die 15 Teilnehmenden gleich praktisch die vorgetragenen Merkmale an mitgebrachten Pflanzen suchen und finden konnten. Hilfreich erwies sich dabei die Anleitung zur Benutzung der Lupe, ohne die es bei der Bestimmung gewisser Gewächse nicht geht: Seht ihr die Sternhaare? Die Drüsenhaare? So kamen wir zum ersten Mal mit diesen blumigen Begriffen in Kontakt. Nun ja, viele wünschten sich, sich etwas systematischer den Pflanzen zu nähern. So versuchten wir tapfer, die Blüten zu beurteilen, ob sie nun zygomorph oder radiärsymmetrisch oder drittes sind. Ein Blick in die Gesichter der Teilnehmenden zeigte, dass die quirlständige Stellung der Blätter und das «Kreuzweise-Gegenständig» leichten Schwindel auslöste. Noch nicht in den Botanikgrundbegriffen geerdet, ging es Ende März am Schwandwaldrand erstmals ins Feld, den Frühblühern nach. Dort wurde den Teilnehmenden das Schlüsslen (Pflanzenbestimmung mittels Schlüssel) näher gebracht.
Judith und Hannah verstanden es, die Unterschiede der gleichwirkenden Veronicas herauszuschälen, so dass diese auch für die Lernenden zu Veronica filiformis (Faden-Ehrenpreis) oder Veronica hederifolia (Efeu-Ehrenpreis) wurden. Dass auch Riechen und Fühlen hilft, eine Pflanze zu bestimmen, zeigte Judith am Blatt des Huflattichs (Tussilago farfara), das sich wie ein Wachstischtuch anfühlt. Vom generellen Schmecken der Pflanzen zur Bestimmung wurde jedoch ausdrücklich abgeraten, gibt es doch durch die Giftigkeit vieler ein erhebliches Gesundheitsrisiko.
So führten uns Judith und Hannah mit ansteckender Freude und Begeisterung an die wesentlichen Merkmalen der Pflanzen heran, so dass die Grundbegriffe für die staunenden Teilnehmenden immer mehr zu Farbe und Form kamen. Und von Exkursion zu Exkursion nahm der Umfang des Herbariums zu und der der Kleberolle ab.
Viel zu schnell waren die Aufenthalte drinnen und draussen in und um Münsingen vorbei. Herzlichen Dank, Judith und Hannah! Ihr habt uns eine neue Art des Sehens näher gebracht. Und beim Spazieren in der Umgebung begrüssen wir nun häufige Pflanzenarten mit Namen. Doch sehen wir auch: das Feld der Botanik ist noch weit!
Cornelia Achermann-Weber, Teilnehmerin
